Informationen & Berichte 2021

Griffel

Archäologe legt Fundamente von Lateinschule unter dem Kirchplatz frei.

Der an einen kurzen Kohlestift erinnernde Gegenstand ist nur wenige Zentimeter lang, Dr. Gerard Jentgens hält ihn zwischen Daumen und Zeigefinger. Es ist tatsächlich eine Art Stift, allerdings mindestens eineinhalb Jahrhunderte alt - ein Griffel aus Grafit, mit dem Schüler früher auf eine Schiefertafel schrieben.

Die Mitarbeiter des Archäologen haben den gut erhaltenen Griffel bei Grabungen auf dem Dülmener Kirchplatz der Gemeinde St. Viktor entdeckt, wie auch eine Spielzeug-Murmel, die aus Steinzeug-Keramik gefertigt ist. Benutzt haben beide Gegenstände Absolventen der ehemaligen Lateinschule, die vom Spätmittelalter bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Kirchplatz stand - mitten zwischen den Gräbern des damaligen Kirchfriedhofs.

Jentgens und sein Team gehen seit wenigen Wochen im Schatten des ältesten Dülmener Gotteshauses - die Kirche St. Viktor stammt aus dem achten Jahrhundert - in die Tiefe. Der Grund: Der Platz wird bald komplett neu gestaltet (DZ berichtete). Die bereits angelaufenen Bauarbeiten haben den Landschaftsverband Westfalen- Lippe (LWL) veranlasst, den Archäologen an Stellen, die ohnehin von den Arbeiten betroffen sind, nach den Fundamenten der Lateinschule und auch Gräbern suchen zu lassen. Denn der Kirchplatz war seit dem Frühmittelalter bis ins 19. Jahrhundert auch der Friedhof der Gemeinde St. Viktor - Gebeine aus über einem Jahrtausend liegen unter dem Boden.

Jentgens ist überaus vertraut mit der frühen Dülmener Stadtgeschichte. So entdeckte er hier bereits die ältesten beiden Glockengussgruben Europas. 

Dass er und sein Team nun auf die Fundamente der alten Lateinschule stießen, ist allerdings keine Sensation. Deren Existenz war bekannt. Überrascht haben den Archäologen und Markus Trautmann, den Pfarrdechant von St. Viktor, dass die Fundamente des ehemaligen Gebäudes so dicht unter dem Erdboden lagen - „nur eine Handbreit unter der Grasnabe“, so Trautmann.

Die Lateinschule habe wahrscheinlich über ein Erd- und ein Obergeschoss verfügt, so Jentgens, und sei wohl um die fünf Meter hoch gewesen, über einer Gesamtfläche - und die kennt man natürlich nun genau - von rund acht mal 13,5 Metern.

„Die Lateinschule war primär eine kirchliche Einrichtung“, sagt der Archäologe. Sie habe zuvorderst der Ausbildung künftiger Priester gedient. Aber auch Laien seien hier geschult worden, die ihre klassische Bildung später etwa in Verwaltungen einsetzen konnten. „Das war der Beginn unseres Bildungssystems“, so Jentgens. In der jüngeren Zeit, gemeint sind das 18. Jahrhundert und frühe 19. Jahrhundert, habe es in der Schule einen großen Klassenraum für rund 70 Jungen und zwei kleinere Räume gegeben. Die nächstgelegenen Gräber des damaligen Kirchfriedhofs waren dicht an der Schule, doch die Kinder hätten wohl kein Problem damit gehabt, so der Archäologe: „Das Verhältnis zu Grabstätten war ein ganz anderes als heute.“

Pfarrdechant Trautmann verfolgt die fortlaufenden Grabungen am Gotteshaus mit großem Interesse: „Mir ist wichtig, dass in einer Stadt, von der soviel durch den Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist, die Geschichte wieder sichtbar und lebendig wird.“

Das meint der Pfarrer durchaus wörtlich. Er könne sich etwa vorstellen, dass in Zukunft auf dem neugestalteten Platz eine überirdische und partielle Nachbildung des Fundamentverlaufs den Kirchbesuchern und Passanten, die zwischen der Hauptverkehrsstraße und der Fußgängerzone unterwegs sind, vor Augen führen könnten, was (dann wieder) unter dem Erdboden verborgen liegt. Eine solche Entscheidung könne er aber nicht alleine fällen.

 

Bericht und Bilder der Dülmener Zeitung, Christian Besse

DZ Icon 

 

Neues Buch widmet sich der Familie von Bischof Kaiser. 

„Sieben Blüten. Ein Baum“ lautet der Titel eines neuen Buches, das Markus Trautmann, Pfarrer in St. Viktor in Dülmen, am Freitag, 2. Juli, der Öffentlichkeit vorstellte. Im Mittelpunkt der Publikation steht die Familie von Bischof Friedrich Kaiser. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Trautmann mit der Biografie und dem Wirken des 1903 in Dülmen geborenen Hiltruper Missionars, der ab 1939 in Peru wirkte, 1963 in Dülmen die Bischofsweihe empfing und 1993 in Peru verstarb. „Bischof Kaiser ist ein Glaubenszeuge der Region und der Weltkirche. Die Familie war der Ort seiner geistlichen Prägung“, führte Trautmann in die Feierstunde ein, an der unter anderem auch Nichten und Neffen des „Missionars der Anden“ teilnahmen und die seine Großnichte, Hildegard Kaiser, am Flügel musikalisch begleitete.

In seiner Publikation geht es Trautmann nicht nur darum, die Herkunft des künftigen Seligen zu vermitteln, sondern „diese Skizzen können dem Leser und der Leserin helfen, auch einmal über die eigene familiäre Bindung und Prägung nachzusinnen“. Zu diesem und weiteren Themen hatte der Pfarrer einen Interviewgast eingeladen: Regionalbischof Dr. Stefan Zekorn. In dem munteren Gespräch erinnerte sich Zekorn an seine eigene Kindheit in Datteln und Recklinghausen, berichtete von seinem Onkel, der als Missionar in Taiwan tätig war, ebenso wie von selbstverständlichen religiösen Ritualen seiner Kindheit. „Ich habe die Familie immer als wohltuenden Rückzugsort und als Geborgenheitszone empfunden. Mir macht es Sorge, dass dies heute in vielen Fällen nicht mehr so ist. Familie wird eher als anstrengend erlebt“, bedauerte Zekorn.

Gefragt nach der Rolle von Seligen und Heiligen in seinem Leben, erzählte der Weihbischof von einem Buch über den heiligen Franziskus, das er in seiner Jugend gelesen habe. „Bei der Lektüre ist mir aufgegangen, was Heilige für mich bedeuten können. Wichtig ist es, dass sie mit unserem Leben zu tun haben, sie uns Vorbilder sein können“, erklärte der 61-Jährige, der sich im Bistum Münster als Beauftragter für die Weltkirche engagiert und in der Deutschen Bischofskonferenz seit zehn Jahren der Kommission Weltkirche angehört. Er lobte die zahlreichen Hilfs- und Partnerschaftsaktionen in den Pfarreien. „Sie zeigen den Menschen, dass an sie gedacht wird. Das ist manchmal bedeutsamer als die finanzielle Unterstützung“, erklärte Zekorn. Das Engagement in der Weltkirche weite den Blick. „Bis hin zur Schöpfungsverantwortung. Durch den Klimawandel sind vor allem die Länder in der Einen Welt betroffen. Die Bauern, die ihre kleinen Felder bestellen, wissen teilweise nicht mehr, wann sie pflanzen sollen“, nannte der Weihbischof einen Aspekt. Auch das Schicksal der Flüchtlinge beschäftige ihn. „Es ist immer noch ein ernstes Thema. Wir können nicht einfach die Augen verschließen“, sagte Zekorn und schlug den Bogen zu Bischof Kaiser. „Ich schätze den Mut, der ihn ausgezeichnet hat. Er hat die Ärmsten in der Gesellschaft aufgesucht. Als Kirche und Gesellschaft brauchen wir mehr Bewusstsein, um sie in den Blick zu nehmen“, hielt Zekorn fest. Sich mit Bischof Kaiser zu beschäftigen, lohne sich. Denn neben der Perspektive für die Ärmsten, kennzeichne ihn eine gehörige Portion Gottvertrauen. „Das habe ich beim Lesen festgestellt. Er lehrt uns, die eigenen Ziele mit Engagement und Mut, aber auch mit Gottvertrauen zu verfolgen, auch wenn der Weg immer mal wieder anders verläuft als man es sich wünscht.“ 

Zum Abschluss der Feierstunde dankte Trautmann allen, die an dem Buch beteiligt waren. Vor allem der Familie von Bischof Kaiser, die ihm viel über ihren Onkel Fritz berichtet und zahlreiche Dokumente und Fotos zum Buch beigesteuert hätten. „Das ist nicht selbstverständlich“, würdigte er das Entgegenkommen.

Das Buch „Sieben Blüten. Ein Baum“ ist die vierte Veröffentlichung einer Reihe, in der Trautmann unterschiedliche Aspekte rund um das Leben und Gedenken von Bischof Kaiser aufgreift. Das Buch ist gegen eine Spende im Pfarrbüro von St. Viktor im einsA erhältlich. 

Ausführliche Informationen zu Bischof Kaiser gibt es auf der Internetseite www.bischof-friedrich-kaiser.de.

 

Fotos: Pfarrer Markus Trautmann (links) interviewte Weihbischof Dr. Stefan Zekorn bei der Präsentation des neuen Buches zu unterschiedlichen Themen wie Familie, Glaubenszeugen und Weltkirche.

Zur Feierstunde waren auch Nichten und Neffen nach Dülmen in die St.-Viktor-Kirche gekommen.

 


logo bistum muensterText und Fotos: Michaela Kiepe / Pressestelle Bistum Münster

Eine-Welt-Kreis (EWK) St. Mauritius Hausdülmen --- Partnerschaftsprojekt 
St. James School in Tamale / Nordghana

--- update 2021.1

Diesen oder einen ähnlichen Kommentar wird es in nahezu jeder Familie im Laufe der vergangenen Monate gegeben haben. Irgendwie oder irgendwann war – und ist immer noch – doch jeder von der anhaltenden Pandemie betroffen, sei es durch direkte Krankheit oder durch Einbußen im Arbeitsleben, ganz zu schweigen von unseren Kindern, denen man doch einiges abverlangt.

Natürlich hat die Pandemie auch vor Ghana nicht Halt gemacht. Berichte der Schulleitung unserer Partnerschule verhießen nichts Gutes, es gab so gut wie keine Gelder für Hygienemittel, die Lehrer waren mit der Situation vollkommen überfordert, kurz gesagt: Alle waren sich selbst überlassen.

In dieser sehr schwierigen Zeit hat das Land NRW vor dem Hintergrund seiner langjährigen Freundschaft zu Ghana eine nicht unerhebliche Summe im sechsstelligen Bereich bereitgestellt, die ausschließlich für Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gedacht waren.

Der EWK handelte schnell und konnte innerhalb einer Woche in Zusammenarbeit mit der Schulleitung von St. James in Tamale und Father Hilary eine Dringlichkeitsliste erstellen und als Antrag in die Staatskanzlei nach Düsseldorf senden.

Dieser Antrag wurde dann auch zügig und erfreulicherweise in voller Höhe berücksichtigt, so dass gute 5.000,-€ schnell und unbürokratisch überwiesen werden konnten.

Neben den dringend benötigten Dingen wie Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung konnten nun auch die Lehrer thematisch fortgebildet werden. 

Die Rückmeldungen aus Tamale stimmen uns positiv, Gott sei Dank ist unsere Hilfe gerade noch rechtzeitig eingetroffen um Schlimmeres zu verhindern.

Nach einer kurzen Zeit der Schulschließung wurde der Unterricht coronakonform wieder aufgenommen.

Weitere Infos >>>

Mitunter wird man ganz unvermittelt auf ein schon fast vergessenes Thema gestoßen: Als der Dülmener Bürgermeister Carsten Hövekamp am 19. Juni dem Anna-Katharinen-Stift Karthaus zum 100jährigen Jubiläum ein stattliches Bäumchen der „Dülmener Rose“ überreichte, fragte sich zumindest einer der Gäste: Wie mag es wohl dem gleichnamigen Apfelbäumchen gehen, das von einer Dülmener Radtour-Gruppe im Herbst 2018 auf der niederländischen Kriegsgräberstätte Ysselsteyn gepflanzt worden war? Immerhin gab ja im Folgejahr einen extrem heißen Sommer, gleichzeitig griffen Blattläuse erbarmungslos an. Pfarrer Markus Trautmann konnte sich jüngst vor Ort überzeugen: Dank der geduldigen Düngung und Wässerung durch das pädagogische Personal der Jugendbegegnungsstätte Ysselsteyn hat sich die „Dülmener Rose“ auf dem kargen Sandboden wacker geschlagen und wird ab Oktober ihr viertes Jahr dort verbringen. Mit einer Apfelernte ist vorerst allerdings noch nicht zu rechnen.

kleines Foto: privat; Pfarrer Trautmann begutachtet den Zustand des Apfelbäumchens
großes Foto: Jan Schniggendiller; 2018 wurde das Bäumchen von Dülmener Jugendlichen gepflanzt

Die Nachricht kam überraschend: Unser Kirchenmusiker Carlos Reigadas wird im Sommer Dülmen verlassen und zum 1. Oktober eine neue Stelle in Friesoythe antreten. Herr Reigadas betont die berufliche Herausforderung, die er sich an der neuen Stellen erhofft, wo kirchenmusikalische Dienste auf Dekanatsebene sowie die Betreuung der C-Musiker einen Schwerpunkt bilden.
Pfarrer Markus Trautmann bedauert diese Entscheidung, zumal die rd. zweijährige Zusammenarbeit mit Herr Reigadas sehr angenehm war.
Die Neubesetzung seiner Stelle wird zeitnah auf den Weg gebracht, um möglichst reibungslos die Betreuung der Chöre und der Chorsingschule St. Viktor zu gewährleisten.

Zwei junge Damen graben sich in diesen Tagen unweit der Viktorkirche ins Erdreich: Maibrit David und Anna-Sofia Kommeta sind Schülerinnen der 9. Klasse des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums und absolvieren in dieser und in der kommenden Woche ihr obligatorisches Schulpraktikum im einsA-Quartier. Unter der Anleitung von Dr. Gerard Jentgens legen sie das Kellergeschoss vom früheren Haus Pins frei. Während Maibrit David schon seit ihrem 10. Lebensjahr von einem Beruf als Archäologin träumt, hat sich Anna-Sofia Kommeta relativ kurzfristig entschlossen, in die unbekannte Welt der historischen Bodenfunde hineinzuschnuppern.

Foto: Christoph Fehmer

Was dem Menschen fremd ist, das beunruhigt ihn. Das ist eine fast alltägliche Erfahrung. Erst recht gilt dies mit Blick auf fremde Kulturen und Religionen – etwa dem Judentum. Zahllose Ressentiments gegen „die Juden“ resultieren aus mangelnder Kenntnis und bloßer Mutmaßung. Daher starten auf unserer Webseite www.hineinschauen.org kleine Info-Reihen, die in Bild und Wort Hintergründe des Judentums erläutern – anhand von Beispielen aus dem heutigen Dülmen! Die Info-Reihen „wandern“ in loser Folge bei der Webseiten-Nutzung mit. Machen Sie sich auf den Weg, lassen Sie sich überraschen!

Die neue Ausgabe des Magazins informiert die Leserinnen und Leser über viele neue Ideen und Projekte im Haus für Alle. Im aktuellen Sonderthema stellt sich unser Familienzentrum St. Anna vor.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen der neuesten Ausgabe >>>.

Gerne kann die Print-Ausgabe auch ab dem 6. Juni im einsA am Infopoint abgeholt werden.

Luftaufnahme

Falschmeldung zum Haus Pins

10 Jahre ist es in diesem Frühjahr her, dass eines der ambitioniertesten Projekte zur 700-Jahr-Feier der Stadt Dülmen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: Im Mai 2011 wurde das dickleibige Werk „Geschichte der Stadt Dülmen“, erschienen im Laumann-Verlag Dülmen, der Öffentlichkeit übergeben. Das Werk werde, so die damalige Bürgermeisterin Stremlau im Vorwort, „uns dabei helfen, alte und neue Fragen an die Geschichte unserer Heimat zu beantworten.“ Umso bedauerlicher, wenn ein Autor hinter dieser berechtigten Erwartung zurückbleibt, indem von ihm eine falsche Erkenntnis oder Schlussfolgerung konstatiert wird. 

Weiterlesen >

Heute ist unsere Nachbarin gestorben. Sie war gar nicht mal so alt, 68 Jahre. Klar, die letzten Jahre sah man sie nicht mehr, und auch vorher ging es ihr nicht mehr so gut. Aber über 15 Jahre lang gehörte sich ganz einfach dazu, unsere Nachbarin. Heute ist sie gestorben.
Zur gesamten Nachricht >>>

Demnächst

Kinderwortgottesdienst
26 Sep 2021
09:45 Uhr
Lieder wecken Erinnerungen
26 Sep 2021
15:00 Uhr
Ökumenisches Marktgebet
01 Okt 2021
11:00 Uhr
nach oben