04Informationen & Berichte 2022

Schalom Ben-Chorin und Anna Katharina Emmerick

Interessante Sicht auf das Alte Testament.

In dieser Woche begehen wir den jährlichen Gedenktag der seligen Anna Katharina Emmerick. Im aktuellen Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ist es einmal angebracht, auch die Dülmener Selige aus eben dieser Perspektive zu betrachten.

Die neutestamentlichen Visionen der „Mystikerin des Münsterlandes“ zum Leben Jesu und seiner Mutter fanden bald nach dem Tod der Emmerick eine weite Verbreitung; die drei entsprechenden Bände sind bis heute den Emmerick-Verehrern ein Begriff. Dagegen blieben ihre alttestamentlichen Visionen lange Zeit ungedruckt und wurden erstmals 1881 unter dem Titel „Die Geheimnisse des Alten Bundes“ veröffentlicht. Diese von Brentano aufgezeichneten Berichte widmen sich der Schöpfungsgeschichte, dem Sündenfall und dem Leben der Patriarchen – bewegen sich also im Rahmen des biblischen Buches Genesis. Wie das Buch Genesis, so enden auch die alttestamentlichen Emmerick-Visionen bei Josef in Ägypten, wohin es den jüngsten Sohn des Jakob bekanntlich verschlagen hatte. In Ägypten heiratete Josef die Nichtjüdin Asenat, die Tochter eines ägyptischen Priesters (Gen 41,45): Von ihr werden die Söhne Ephraim und Manasse geboren, die Generationen später, nach dem „Exodus“ und der Heimkehr ins Gelobte Land, als Stammväter von zwei der zwölf Stämme Israels betrachtet und geehrt werden.

Und genau hier entstand für die „Rabbinen“, also die jüdischen Gelehrten der nachbiblischen Zeit, ein skandalöses Problem: Bis heute gilt man nur dann als jüdisch, wenn man von einer jüdischen Mutter geboren wurde. In dieser strengen Lesart wären laut Auskunft des Buches Genesis bzw. aus Sicht der rabbinischen Schriftauslegung, der Halacha, die beiden Stämme Ephraim und Manasse illegitim gewesen! Ein eigener halachischer Midrasch (Auslegungsspruch) der Rabbinen legte im 2. Jahrhundert n.Chr. fest, das Asenat – also die Gattin Josefs und Mutter Ephraims und Manasses – in Wirklichkeit keine ägyptische Priestertochter war, sondern Frucht einer Vergewaltigung, die an Dina, einer Tochter des Jakob, begangen worden war. Jakob habe Asenat als Enkelin und damit zur Sippe gehörig anerkannt. Indem also Josef seine Nichte ehelichte, wurden Ephraim und Manasse Urenkel Jakobs mütterlicherseits.

Kein geringerer als der renommierte deutsch-israelische Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin (1913-1999) publizierte 1974 eine verblüffende Entdeckung: „Es ist nun überaus merkwürdig, dass die Visionen der Anna Katharina Emmerick und der halachische Midrasch im wesentlichen voll übereinstimmen. Anna Katharina Emmerick teilt ebenfalls mit, dass Asenat die Enkelin des Patriarchen Jakob war, dass Josef seine Nichte geheiratet hat und dass diese durch ein Amulett ihres Großvaters Jakob als sippenzugehörig gekennzeichnet war.“ Für Ben-Chorin ist es ganz ausgeschlossen, dass die Dülmener Mystikerin oder ihr Schreiber Brentano die Übereinstimmungen der Emmerick-Visionen mit einem antiken rabbinischen Midrasch auch nur ahnen konnten. Überhaupt sei es nicht denkbar, „dass die stigmatisierte Nonne und ihr romantischer Sekretär die rabbinischen Traditionen kannten, die selbst den meisten Juden unbekannt sind, da es sich hier um keineswegs verbindlichen Randtraditionen handelt.“ Auch irgendwelche patristische, also altkirchliche christliche Schriften, in denen Brentano möglicherweise irgendwelche einschlägigen Hinweise entdeckt haben könnte, sind nicht bekannt. Für Ben-Chorin bleibt „das frappierende Phänomen einer Übereinstimmung“ der Vision der Anna Katharina Emmerick mit einer Midrasch-Exegese des rabbinischen Judentums zu einer Episode im Buch Genesis, die sich mit der Zwölfstämme-Tradition des Volkes Israel auseinandersetzt. 

Die Literaturwissenschaftlerin Martina Vordermayer relativierte 1997 das Erstaunen des Schalom Ben-Chorin über „Die Geheimnisse des Alten Bundes“ und verwies auf „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“: Tatsächlich hat Brentano diesen Band (im Unterschied zu allen anderen Bänden mit Emmerick-Visionen) mit einem umfangreichen Fußnotenapparat ausgestattet, der zahlreiche Hintergrundinformationen aus der historischen und spirituellen Welt des Judentums bereithält. „Brentano nimmt hier mit Hilfe des Orientalisten Hanenberg, dem ‚Sprachkundigen‘, immer wieder Bezug auf die jüdische Tradition. Konsultiert und teilweise zitiert wird der Talmud, hier speziell die Mischna und das Sota-Traktat, auch die Überlieferung der Kabbala wird herangezogen.“ In diesem Sinne habe „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“ von einer „positiven Adaption jüdischer Gesetzestexte, Traktate und Mystik“ profitiert. Ferner ergebe ein Blick in den Versteigerungskatalog bei der Auflösung von Brentanos Bibliothek 1819, dass dieser verschiedene kulturgeschichtliche und mystische Schriften über das Judentum, exegetische Werke, Reisebeschreibungen aus dem Heiligen Land, hebräische Bibelausgaben sowie hebräische Grammatiken und Wörterbücher besessen habe.

Literatur: Schalom Ben-Chorin: Eine alttestamentliche Vision der Anna Katharina Emmerick, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Bd. 26, 1974, S. 334-345 // Martina Vordermayer: Antisemitismus und Judentum bei Clemens Brentano, in: Forschungen zum Junghegelianismus Bd. 4, Frankfurt u. Wien 1999, S. 155f u. S. 167f. 

Abbildung Anna Katharina Emmerick: By Gabriel von Max - Own work, Yelkrokoyade, 16 July 2015, 10:43:27, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45319933
Abbildung: Schalom Ben-Chorin: Von Harald Bischoff - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31486641

In der Dülmener Innenstadt sowie in Rorup liegen an elf Stellen insgesamt 40 "Stolpersteine", die an das Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern. Sie wurden entweder ermordet, in die Emigration oder in den Suizid getrieben. In dem Video gedenken wir der jüdischen Mitbürger und MItbürgerinnen in Dülmen, die dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen sind.

Theresa Hölscher aus unserer Gemeinde St. Mauritius in Hausdülmen absolviert seit Mitte September 2021 ein freiwilliges soziales Jahr in Jasikan / Ghana. Dort engagiert sie sich besonders für benachteiligte Schülerinnen und Schüler.

In der WDR-Lokalzeit berichtet sie über ihre Arbeit in der Schule in Nsuta. Mit welchen Schwierigkeiten der Freiwilligendienst des Bistums in Zeiten der Pandemie zu kämpfen hat, beschreibt auch Kirche+Leben.

Seit einigen Jahren ist Theresa bereits im Eine-Welt-Kreis der Gemeinde aktiv.

 

Am 17. Januar feiern wir das Fest des hl. Antonius, dem Merfelder Kirchenpatron. Dieser zog im 3. Jahrhundert auf radikale Weise aus der Lektüre des Evangeliums den Schluss, sein Vermögen aufzugeben und den Rückzug in die Wüste zu suchen. 

Im Gottesdienst, der anlässlich des Gedenktages in der Antoniuskirche gefeiert wurde, nimmt Pfarrdechant Markus Trautmann in seiner Predigt >>> den Heiligen in den Blick.

Die Sternsingerinnen und Sternsinger der Pfarrei St. Viktor haben für die Gesundheitsversorgung von Kindern in Afrika 22.628,75 € gesammelt. Wir danken allen Sternsingerinnen und Sternsingern, den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, den Begleiterinnen und Begleitern und natürlich auch den Spenderinnen und Spendern von Herzen für die Unterstürzung.
In allen Kirchen der Pfarrei St. Viktor liegen Segensaufkleber und Infos zur Spendenaktion und zum Spendenkonto aus und ein Opferstock als Spendenbox steht bereit. Über den gesamten Januar können direkt Spenden für die Aktion dort eingeworfen und Segenswünsche besonders auch zur Weitergabe an kranke und ältere Angehörige mitgenommen werden.

Steinerne Erinnerungen auf dem Dülmener Kirchplatz. 

Das Bodendenkmal „Lateinschule“ ist das älteste Zeugnis für das Schulwesen in Dülmen. Ihre Lage unweit von St. Viktor ist noch im sogenannten „Urkataster“ von 1825 erfasst.

Nach Auskunft von Archäologen Dr. Gerard Jentgens wurde die Schule vermutlich 1323 gleichzeitig mit dem Stiftskapitel eingerichtet. „Schon für das Jahr 1325 erfährt man, dass dort ein Rektor namens Alhardus tätig ist“, weiß Jentgens zu berichten. Lateinschulen wurden zunächst von kirchlicher Seite gegründet und entstanden an Bischofssitzen, Klöstern oder eben Stiften. Entsprechend lagen die Schulen meist dicht bei den Kirchbauten. Sie dienten in erster Linie der Ausbildung des kirchlichen Nachwuchses, der Kleriker. Bald aber sah auch die städtische Öffentlichkeit die Notwendigkeit, die Heranwachsenden zu bilden, beispielsweise im Hinblick auf zukünftige Verwaltungsmitarbeiter. Auch in Dülmen beteiligte sich die Stadt spätestens seit 1434 an der Finanzierung der Lateinschule bzw. der Lehrkräfte.

Aus späterer Zeit gibt es eine knappe Beschreibung des Schulgebäudes, die zwei große und einen kleineren Raum erwähnt. Der archäologische Befund zeigt im Erdgeschoss eine Gliederung durch eine Quermauer, durch die die Grundfläche im Verhältnis von etwa 1:2 geteilt wird. Ferner konnten die Eingangsbereiche und der Standort des Kamins freigelegt werden. „Die relativ geringe Breite des Fundaments aus großformatigen Backsteinen weist darauf hin, dass die Dülmener Schule ein Fachwerkgebäude war“, vermutet der Archäologe. 1831 wurde das in die Jahre gekommene Schulgebäude, in dem Jungen und Mädchen unterrichtet wurden, zum Abbruch verkauft und ein neues Gebäude an der Münsterstraße errichtet. 

Der Kirchenvorstand von St. Viktor hatte im Jahr 2021 entschieden, die Spuren dieser wichtigen und über Jahrhunderte wirkende Bildungseinrichtung neu ins öffentliche Bewusstsein zu bringen und in die Neugestaltung des Kirchplatzes einzubeziehen. Im Januar 2022 wurde damit begonnen, den Verlauf der Fundamente, das noch weitgehend im Erdreich erhalten ist, oberirdisch darzustellen. Dazu wird in der Art einer Intarsie künftig ein steinernes Band aus Grauwacke die Rasenfläche unter den alten Lindenbäumen durchziehen. Darüber hinaus wird an  vier Stellen durch mächtige Steinblöcke der Verlauf der Wände bzw. der Hausecken in eine Höhe vor rd. 50 cm dargestellt. 

Ein ganz besonderer Hinweis auf die Dülmener Schule am Kirchplatz findet sich übrigens in den Visionen der seligen Anna Katharina Emmerick, wie sie Clemens Brentano im November 1819 in sein Tagebuch notiert: „Hier auf dem Kirchhof zwischen Schule und Kirche, links von der Kirche, liegt etwas tief ein ganz erhaltener und unbekannter Leichnam einer Seligen. Es wurde mir gezeigt, wie er dennoch den oben Herübergehenden Schutz und Nutzen bringt.“

Demnächst

Turnen im Sitzen
06 Dez 2022
14:30 Uhr
Café für Jedermann
07 Dez 2022
15:00 Uhr
Adventsfeier der kfd St. Joseph
07 Dez 2022
15:00 Uhr
Seniorentreff bei Kaffee und Kuchen
08 Dez 2022
15:00 Uhr
Adventsfeier der kfd St. Viktor
08 Dez 2022
15:00 Uhr
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