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Farbenpracht aus der Vergangenheit

Bericht und Foto der Dülmener Zeitung vom 12. März 2016, Kristina Kerstan

 

MalereiDie Farbenpracht ist auch nach mehr als 500 Jahren noch überwältigend: Blüten in leuchtendem Gelb und Orange, umgeben von grünen Ranken und sich windenden Blättern. Alles freihändig gemalt von unbekannten Künstlern, ganz ohne Schablone. „Gerade die kleinen Details gehen sonst im Laufe der Zeit verloren“, erläutert Restaurator Markus Schmidt. „Hier aber sind sie erhalten geblieben.“  

 



Es ist in der Tat ein außergewöhnlicher - und für alle Beteiligten überraschender - Fund, der im Zuge der Sanierungsarbeiten an der Karthäuser St.-Jakobus-Kirche gemacht wurde. Als Arbeiter im November an der Südseite des Chorraums einige marode Steine der Fassade erneuern wollten, entdeckten sie dahinter einen vermauerten Hohlraum, über dem sich ein Bogen spannte. Dessen Unterseite war mit Putz ausgekleidet - und prachtvoll bemalt, wie sich zeigte. Bistum und Landschaftsverband wurden informiert sowie das Restauratorenteam Schmidt beauftragt, den Fund genauer zu untersuchen und zu dokumentieren. 

„Knapp 400 Jahre hat die Malereien keiner mehr gesehen“, erläutert Markus Schmidt. Denn schon nach relativ kurzer Zeit wurden die Kunstwerke übermalt, gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als das große Chorgestühl Einzug in der Karthäuser Kirche hielt, die Nischen dann komplett zugemauert. All das trug dazu bei, die jahrhundertealte Farbenpracht zu konservieren. „Die Malereien an sich sind nicht außergewöhnlich, aber ihr Erhaltungszustand ist es“, sagt der Restaurator. Die bunten Blumenmotive seien typisch für die Zeit der Spätgotik gewesen. 

Insgesamt fünf Nischen wurden entdeckt, die beiden am besten erhaltenen genauer untersucht. Dabei zeigte sich, dass auch die Rückseiten der Nischen mit Blumen und Ranken bemalt worden waren. Durchaus möglich, so der Experte, dass einst der gesamte Chorraum von St. Jakobus so dekoriert worden war. Nur von einer Nische aus habe es einen Durchgang nach außen gegeben. 

Fast vier Jahrhunderte lang war die Farbenpracht verschwunden - und wird auch künftig wieder unsichtbar im Mauerwerk verborgen sein. Ende dieser Woche wurden, nach Abschluss der Dokumentationsarbeiten, die Nischen wieder mit dem originalen Füllmaterial verschlossen und zugemauert. „Es gab die Idee, eine Sichtscheibe einzusetzen“, erläutert Andreas Groll, stellvertretender Leiter der Zentralrendantur. Aber: „Das würde mehr schaden als nützen“, betont Markus Bagert von der Karthäuser Gemeinde. Fachleute hätten sich dagegen ausgesprochen. So waren beispielsweise die Öffnungen, durch die die Malerei betrachtet werden kann, nur sehr klein. Wer sie vergrößert, zerstört die Kunstwerke an den Rückseiten. Auch fürchteten die Experten, dass Wasser eindringen und die Malereien beschädigen könnte. „Die Nischen werden dadurch konserviert, dass sie wieder zugemacht werden“, sagt Bagert. 

Allerdings sollen die leuchtenden Blumen und Ranken nicht erneut in Vergessenheit geraten. Die ausführliche Dokumentation, die Restaurator Markus Schmidt erstellt hat und für die die Malereien professionell fotografiert wurden, geht an die Gemeinde und soll dort auch vorgestellt werden. Und Markus Bagert berichtet, dass bereits die Idee im Raume stehe, eine Postkarte mit der Farbenpracht aus der Vergangenheit zu entwerfen.