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LWL zeichnet ehemaliges Kloster in Dülmen als Denkmal des Monats aus

Bericht vom 15. Dezember 2015 der Streiflichter / Foto: Kirchengemeinde St. Viktor

JakobusSchon früh im 19. Jahrhundert nahmen die Menschen die Kirche des ehemaligen Kartäuserklosters in Dülmen-Weddern als Denkmal wahr. 2014 wurde der Turm der St. Jakobus-Kirche saniert, zur Zeit läuft die Instandsetzung des Langhauses. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat das 1476 gegründete Kloster jetzt als Denkmal des Monats ausgezeichnet.

 

Schon in der Verordnung über die Aufhebung des Klosters vom 21. Oktober 1804 wünschte sich August von Croÿ, der Teile des Klosters übernahm und zur Domäne ausbaute, "alle diese alten und ehrwürdigen Denkmäler der Frömmigkeit unserer Voreltern beibehalten zu können."

"Doch schon einige Jahrzehnte später stand der Erhalt der Kirche auf des Messers Schneide", weiß LWL-Denkmalpfleger Philipp Strugalla. "In erstaunlich kurzer Zeit wurden dann 1871/72 eine Reihe von Sicherungsmaßnahmen vollzogen. Interessant ist aus heutiger Sicht die Kombination von Erhaltungsmaßnahmen und Veränderungen an der ehemaligen Klosterkirche", so Strugalla weiter. Im Zuge der Instandsetzung wurde die Kirche um den Turm, einen Sakristeianbau und das Mausoleum der Herzöge von Croÿ erweitert.

Die Kirche St. Jakobus als zentrales Gebäude des im Jahr 1804 aufgelösten Kartäuserklosters ist weithin sichtbares Zeichen und Maßstab für den Betrachter. "Auch nach der Erweiterung und Umgestaltung der Kirche im Zuge der Instandsetzung 1871/72 blieb das in seiner vollen Ausdehnung erhaltene Langhaus mit seiner in Teilen überlieferten prächtigen Ausstattung das wichtigste Zeugnis für die prägende Ära der Karthaus", so Strugalla.

Rund 100 Jahre später musste der Turm 1976 erstmals saniert werden. Dabei wurden auf mehreren Ebenen Stahlbetonböden eingezogen und das Mauerwerk wurde vollständig neu verfugt. "Dabei ist allerdings ein zu harter und dichter Zement-Fugmörtel verwendet worden. Dadurch wurden die Mauersteine über die Jahre hinweg beschädigt, so dass der Turm 2014 neu verfugt und einige Mauersteine ausgetauscht werden mussten", so Strugalla. Außerdem wurde die Schiefereindeckung erneuert, Kreuz und Wetterhahn wurden restauriert und die darunter liegende Holzkonstruktion erneuert. In diesem Jahr wurde die Maßnahme mit der Außeninstandsetzung des Langhauses fortgesetzt. Hier mussten einige Flächen neu verfugt werden, da die Fugen verwittert waren und sich Schadstoffe abgelagert hatten. Außerdem wurde der Dachstuhl repariert. Abschnittsweise wird das Dach jetzt neu mit Schiefer eingedeckt. Die Kirche bleibt aber auch über die Weihnachtszeit geöffnet.

Das ehemalige Kartäuserkloster Marienburg, 'Karthaus' genannt, geht zurück auf eine Stiftung der Familie von Keppel, die neben umfangreichen Besitzungen und Zehntrechten die Burg Weddern beinhaltete. Als Zentrum des wohl im Jahr der Stiftung 1476 gegründeten Klosters wurde eine Kirche auf der Vorburginsel der ehemaligen Wasserburg errichtet. Obwohl das Kloster mit seinen Anlagen erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts fertiggestellt wurde - der Schlussstein des abschließenden Joches der Kirche trägt die Jahreszahl 1607 - gewann das Kloster schon bald nach der Gründung an Bedeutung. So zählt Judocus Vredis, bürgerlich Jost Pelser (um 1473-1540), zu den frühen Prioren der Karthaus. Er erlangte als Schöpfer fein gearbeiteter Relieftafeln aus Pfeiffenton über die Region hinaus Bekanntheit. Einige Relieftafeln aus seiner Werkstatt sind im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zu sehen.

Heute sind von der Kernanlage noch die Kirche, das Haus des Verwalters, ein Wirtschaftsgebäude und in Teilen die vorgelagerten Torhäuser sowie die ehemalige Mühle erhalten. Südlich schließt sich ein Wirtschaftshof an, der bereits zur Zeit des Klosters bestand und im 19. Jahrhundert aufwendig zu einer Domäne im Eigentum der Familie von Croÿ ausgebaut wurde. Anhand dieser Gebäude und der Geländestruktur aus Wegen, Gräften und landwirtschaftlichen Nutzflächen ist die Anlage in ihrer ursprünglichen Ausdehnung noch heute erkennbar. Die ganze Größe und die eindrucksvolle Struktur der ehemaligen Klosteranlage kann jedoch nur anhand von historischen Darstellungen rekonstruiert werden. Auf zwei Veduten des 18. Jahrhunderts ist die regelmäßige Anordnung des den Mönchen vorbehaltenen Bereichs mit Kreuzgang und Klausur nördlich der Kirche festgehalten. Priorat, Verwalterhaus und andere für Außenstehende zugängliche Bereiche bildeten auf der gegenüberliegenden Seite eine achsensymmetrische Anlage aus.