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Sakrale Kunst ganz nah

Bericht vom 15. Oktober 2019 der Dülmener Zeitung, Claudia Marcy

 

St. Viktor zeigte seine Kirchenschätze

 

Offener TresorBeinahe wie ein Butler komme er sich vor, gestand Pfarrer Markus Trautmann lächelnd, nachdem er sich die weißen Handschuhe übergestreift hatte. Mit bloßen Händen wollte er die kostbaren Gefäße nicht anfassen, die er am Freitagabend in der Kirche St. Viktor seinen aufmerksam und andächtig lauschenden Zuhörern präsentierte.

Kunstvoll gearbeitete Messkelche, Monstranzen oder ein Speisekelch: In der Dülmener Großgemeinde St. Viktor schlummern wahre Schätze.

Einige von ihnen sind noch in Gebrauch. Andere werden in speziellen Kästen sicher verwahrt. „Ihnen haftet die Patina des Alters an“, so Trautmann. Entgegen dieser Ankündigung zeigten sich aber auch die Kostbarkeiten aus dem Tresor in der Kirche keineswegs verstaubt oder stumpf, sondern beeindruckten mit Glanz und Detailreichtum. Farbig beleuchtet war das Gotteshaus für die Präsentation. Die Gefäße wurden nach und nach aus dem dunkleren Teil der Kirche ins Licht auf den Altar gestellt. Eine Kamera übertrug das Geschehen auf eine Leinwand. Um Details zu zeigen, brachte Trautmann die Kelche oder Monstranzen ganz nah an die Kamera heran. So konnten alle Besucher selbst kleine Details oder Inschriften auf der Leinwand lesen und erkennen. Trautmann, der die weißen Handschuhe während der ganzen Veranstaltung anbehielt, ging chronologisch vor: Das älteste und kostbarste Stück ist der Stifterkelch aus dem Jahr 1490. Er gehört zu St. Jakobus Karthaus und stammt aus dem Kloster Marienburg in Weddern. Trautmann machte auf typische Merkmale wie den sechspässigen Fuß oder den fein gestalteten Nodus, der zwischen Schaft und Schale (Kuppa) sitzt, aufmerksam. Gotik, Barock, Klassizismus, Romantik oder Historismus: Trautmann nannte Kennzeichen jeder Epoche, erklärte, mit welchen gesellschaftlichen Veränderungen oder Entwicklungen sie einhergingen und wie sie in den sakralen Gegenständen zum Ausdruck kommen. Kantor Christoph Falley stimmte mit kleinen Musikstücken aus der jeweiligen Epoche an Klavier, Orgel oder Saxofon auf den neuen Zeitabschnitt ein. Irmgard Neuß, Leiterin der Familienbildungsstätte, die zu der Veranstaltung eingeladen hatte, bedankte sich abschließend bei Trautmann für die Reise durch die Zeit und Kulturgeschichte. Viele der gezeigten Kirchenschätze wurden danach wieder sorgfältig in Schatullen und Kisten verpackt. Und erst danach zog Pfarrer Trautmann seine weißen Handschuhe wieder aus.