Oktober
So Mo Di Mi Do Fr Sa
30 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3

Impuls im Juni 2014 von Pfarrdechant Markus Trautmann

An der Außenwand der Viktor-Kirche finden sich auf verschiedenen Mauervorsprüngen und Brüstungen spitze Dornen, kaum sichtbar, aber wirksam: gegen die Tauben! Tauben gelten als lästige Zeitgenossen, deren man sich kaum erwehren kann. Dabei ist in der Kunst die Taube ein Symbol für den Heiligen Geist! Und so wie außen an St. Viktor die echten Tauben unerwünscht sind, so ist auch im Innern die Geist-Taube kaum zu entdecken.
Oder genauer: sie ist nur zu entdecken, wenn man gut hinschaut! Dem oberflächlichen Blick entzieht sich die Geist-Darstellung. Gemeint ist nicht die Friedenstaube mit dem Ölzweig aus der Arche Noah, sondern die Geist-Taube auf der Spitze des Sakramentshäuschens. Sie ist dort nicht einfach Dekor zum Abschluss der Spitze, sondern durchaus theologisch richtig platziert: dem Himmel nah, sozusagen auf der Verbindungsachse zwischen Gott und uns, die wir Christus in der Eucharistie begegnen; zwischen dem Vater und seinen Kindern, die wir als Jesu Brüder und Schwestern Kirche sind.
Der Heilige Geist ist nur vorstellbar und nur „in Aktion“, wo es um die Beziehung der Gläubigen zu Jesus Christus geht und wo die Bedeutung Jesu „geklärt“ wird. Dort taucht er in der Bibel auf: in der Verkündigung an Maria; in der Taufe am Jordan; an Pfingsten, als die Jünger auf die Straße gehen und die Umkehr im Namen Jesu verkünden. Der Geist steht im Dienst unserer Gottverbundenheit, unserer Christus-Freundschaft.
In einer Lesung an Pfingsten (Römer 8,22–27) ist vom „Seufzen der ganzen Schöpfung“ und von den „Geburtswehen“ der Menschheit die Rede, aber auch davon, dass sich der Geist „unserer Schwachheit“ annimmt. Ja, dass wir nicht einmal wissen, wie wir recht beten sollen – also in Beziehung zu Gott bleiben. Aber: „Der Geist tritt mit Seufzen für uns ein.“ Das Seufzen des Menschen kann also vom Geist „inspiriert“ sein. Das ist kein Widerspruch zur sprühenden „Begeisterung“ am Pfingsttag. Dass ein Christ leidet, schmerzlich mitfühlt – das mag durchaus vom Geist geleitet sein: „Obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen wir in unserem Herzen und warten, dass wir als Söhne (und Töchter) offenbar werden.“
Auch in der Sehnsucht und im Verlangen wirkt der Geist kraftvoll und bewegt er die Geschichte – und nicht nur in feiernder Zufriedenheit. Das gilt auch für die Kirche heute.